Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer, Inhaber des BuS-Netzwerks für Betriebswirtschaftliche und Steuerliche Fachinformationen (www.bus-hillmer.de), Coesfeld

 

1. Einführung

Für den 20.10.2015 hatten die BVBC-Stiftung und die Hochschule FOM zum Herbstsymposium nach Düsseldorf eingeladen. Das Thema waren Wissensbilanzen vor folgendem Hintergrund: Die Zukunftssicherung gerade für mittelständische Unternehmen wird in der heutigen Zeit immer schwieriger. Wirklich verlässliche Prognosen über einen längeren Zeitraum sind kaum verfügbar und die Einflussfaktoren auf das Geschäft von morgen kaum überschaubar. Stark zugenommen hat der Einfluss immaterieller Werte auf den Geschäftserfolg. Die Wissensbilanz bietet eine einfache, systematische Methode, eine solche Einflussanalyse durchzuführen und die Schwachstellen aufzudecken.

 

2. Grundlagen des Wissensmanagements

Zu Beginn informierte Sven Wuscher vom Fraunhofer IPK (Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik, Berlin, er ist dort Leiter des Competence Centers Wissensmanagement) über Grundlagen des Wissensmanagements (WM) und die Einflussfaktoren der erfolgreichen Einführung. Beantwortet wurden folgende Fragestellungen:

  • Was bedeutet Wissensmanagement,
  • was ist mit dem Intellektuellen Kapital gemeint und
  • wieso soll ein Unternehmen das Wissen analysieren oder gar bilanzieren?

Unter einer Wissensbilanz ist nach Wuscher der Bericht über bewertetes intellektuelles Kapital einer Organisation sowie laufende, abgeschlossene und geplante Initiativen zur Veränderung zu verstehen. WM beschäftigt sich mit Menschen als Wissensträger, Prozessen als Anwendungsfeldern von Wissen und Informationstechnik als Werkzeug der Wissensbasis. Unterschieden werden 3 Säulen eines erfolgreichen WM:

  • Wissensbilanz,
  • geschäftsprozessorientiertes WM,

Ergänzt werden diese drei Säulen durch ein die Aktivitäten fortlaufend beobachtendes WM-Controlling.

Nachhaltige Verhaltensänderung bedingt ein Kennen und ein Können ebenso wie ein Sollen und Wollen. Erfahrungsgemäß gilt bei Veränderungsprojekten die 80/20-Regel: 10-20% bleiben Skeptiker bzw. Boykotteure, 30% sprechen sich schnell für den Wandel aus und 50% sind sog. Mitläufer. Als zu unterscheidende Phasen eines Veränderungsprojekts wurden im Detail vorgestellt (s. auch ein beim FPK kostenlos verfügbarer Leitfaden):

  • Initialisierung,
  • Analyse,
  • Ziele und Lösungen,
  • Umsetzung,

2. Umsetzung

Im Rahmen der Umsetzung beschrieb der Referent Wuscher die Schritte zur Erstellung einer Wissensbilanz. Intellektuelles Kapital setzt sich aus Humankapital, Strukturkapital und Beziehungskapital zusammen. Voraussetzungen für die Erstellung einer Wissensbilanz (WB) sind ein WB-Team, ein WB-Moderator und eine WB-Toolbox. Die Vorbereitung sollte unter Einbindung der Geschäftsführung im Sinne eines Projektstarts erfolgen. Ein erster Workshop (WS) sammelt Einflussfaktoren, WS 2 erarbeitet sodann eine Wirkungsanalyse, die Handlungsfelder sowie verschiedene Maßnahmenideen, die anschließend in WS 3 bewertet werden: Es werden also die Maßnahmen festgelegt. Die Zusammenfassung in einem Bericht ergibt dann die Wissensbilanz.

 

3. Erfahrungen

Über die in seinem Unternehmen gesammelten Erfahrungen berichtete Dr.-Ing. Christian Stettner. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Zilch + Müller Ingenieure GmbH in München. Neben den technischen Aufgaben betreut er den Geschäftsbereich Wissensmanagement im Unternehmen. In dieser Funktion obliegt ihm die Projektleitung für die Erstellung der Wissensbilanz bei der Zilch + Müller Ingenieure GmbH. Hierbei handelt es sich um ein Bauingenieurbüro mit ca. 54 Mitarbeitern, die einen Umsatz von ca. 6,8 Mio. € p.a. erarbeiten. Dieses Ingenieurbüro zählt sich zu den 10 größten in Deutschland, erstellt werden insbesondere auch Gutachten bei Bauschäden.

Die Wissensdokumentation und -organisation hat sich von Ordnerregalen zur Intranet-Plattform weiterentwickelt. Der Wissensaustausch hat eine zentrale Rolle eingenommen, nicht Wissen horten heißt die Devise, sondern weitergeben im Kommunikationskreislauf. Die WB wird als Managementtool für die zukünftige Unternehmensausrichtung verstanden, speziell geht es um die Wettbewerbsfähigkeit im VOF-Verfahren (Angebotsverfahren) und um die WB als Bestandteil zukünftiger Qualitätsmanagement-Audits. Wichtig war nach den weiteren Ausführungen von Stettner die Einbindung der externen Expertise (Fraunhofer), weil das Projekt dann eine höhere Wertigkeit im Unternehmen bekommt.

Im Rahmen der Beschreibung der Aufstellung einer WB stellte der Referent folgende Arbeitspakete näher vor:

  • Arbeitspaket (AP) 1: Festlegung der wesentlichen Vorgehensweisen durch die Geschäftsführung, Abstimmung der Projektziele etc.;
  • AP 2: Bewertung der Ausprägungen der Einflussfaktoren des intellektuellen Kapitals nach Quantität, Qualität und Systematik (QQS-Bewertung);
  • AP 3: Wirkungsanalyse im Sinne der Erfassung des Zusammenwirkens der Einflussfaktoren in einem sog. Wirkungsnetz und einer Wirkungsmatrix (Zusammenhänge im Unternehmen sollen allen transparent werden);
  • AP 4: Auswertung im Sinne der Entwicklung von Handlungsfeldern: Führung und Kultur über Wissenstransfer (Einrichtung von Arbeitskreisen) bis hin zur Systematisierung des dokumentierten Wissens

Die Ergebnisse aus diesen Workshops ergeben dann als Präsentationsbericht die Wissensbilanz.

Die Vorträge von Sven Wuscher und Dr.-Ing. Christian Stettner können per E-Mail kostenfrei bei der Stiftung angefordert werden!

BVBC Stiftung zur Förderung von Rechnungswesen und Controlling
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