– Bericht zum BVBC-Symposium vom 7.11.2013 in Frankfurt/M. – von Dr. Hans-Jürgen Hillmer*

Wie in den Vorjahren veranstaltete die BVBC-Stiftung im Herbst 2013 wiederum ein praxisorientiertes Symposion, das unter dem Motto „EU-Bilanzrichtlinie, MicroBilG und Co: Wer kann größenabhängige Erleichterungen in welchem Um-fang in Anspruch nehmen?" am 7.11.2013 in Frankfurt/M. stattfand. Im Fokus standen Möglichkeiten zur Inanspruchnahme schwellenwertabhängiger Bilanzierungserleichterungen nach geltendem Recht und de lege ferenda.

I. Einführung
In Deutschland bestimmt der Mittelstand die Wirtschaft: So liegt das Verhältnis der mittleren und kleineren Unternehmen zu Konzernen und Großunternehmen bei etwa 90 zu 10. Insofern ist es besonders wichtig, sich intensiv mit größenabhängigen Bilanzierungsvorschriften zu beschäftigen und entsprechende Neuerungen umsetzen. In diesem Zusammenhang verdienen insbesondere das schon verabschiedete MicroBilG und die zeitnah anstehende Umsetzung der neuen, im Juni 2013 verabschiedeten EU-Bilanzrichtlinie Beachtung:

• Hauptziele dieser EU-Bilanzrchtlinie sind im Hinblick auf die Rechnungslegung zum einen Erleichterungen für kleine Unternehmen, zum anderen eine erhöhte Klarheit und EU-weite Vergleichbarkeit von Abschlüssen. Zu diesem Zweck enthält die Richtlinie eine Reihe von Neuerungen für Jahres- und Konzernabschlüsse, die sich mit breiter Wirkung auch auf das deutsche Handelsbilanzrecht auswirken können.
• In Deutschland wurde zudem erst kürzlich das MicroBilG mit spezifischen Vorschriften für Kleinstkapitalgesellschaften in Kraft gesetzt. Dies gibt in der Praxis ebenfalls reichlich Klärungsbedarf.

Daher luden BVBC-Stiftung und die FOM-Hochschule für Oekonomie und Management zu dem Symposium am 7.11.2013 nach Frankfurt/M. ein. Drei Hauptvorträge standen auf dem Programm:

• Schwellenwertbilanzierung aus Sicht einer Großbank (Alexander Rühl, Commerzbank Frankfurt und FOM Frankfurt)
• MicroBilG – Erleichterungen für Kleinstkapitalgesellschaften? (Dr. Christian Zwirner, Dr. Kleeberg & Partner GmbH, München)
• Umsetzung der neuen EU-Bilanzrichtlinie in Deutschland – Auf zu neuen Ufern (Dr. Markus Philipp Kreipl, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg)

II. Neue EU-Bilanzrichtlinie

Gegenstand des Vortrags von Kreipl war die Richtlinie zum Jahresabschluss, konsolidierten Abschluss und zu Unternehmensberichten – 2013/34/EU, die am 26.6.2013 verabschiedet und am 29.6.2013 im EU-Amtsblatt – L 182/19-76 veröffentlicht wurde. Die Umsetzung in nationales Recht hat bis zum 20.7.2015 zu erfolgen, was mit einer Anwendung spätestens für am oder nach dem 1.1.2016 beginnende Geschäftsjahre einhergehen soll. Als Ziele der Richtlinienüberarbeitung nannte der Referent die folgenden:

• Reduzierung des Verwaltungsaufwands und damit der Kosten der Berichterstattung (insbesondere für kleine unternehmen);
• Optimierung der EU-weiten Vergleichbarkeit, Klarheit und Verständlichkeit der Abschlüsse;

Kreipl stellte weiterhin die Frage in den Raum, ob die mit dem BilMoG schon begonnene stufenweise Anpassung bis hin zur vollständigen Übernahme der IFRS fortgesetzt gesetzt werden soll. Die grundsätzlich realisierbare Reduzierung des Verwaltungsaufwands werde jedenfalls kurzfristig von umstellungsbedingten Aufwendungen konterkariert. Weiterhin kritisierte der Referent, dass unpräzise Formulierungen und Mitgliedstaatenwahlrechte zur Ausdehnung der Vorschriften unter Berufung auf nationale Steuergesetze die Harmoni-sierung und die langfristige Reduzierung der Verwaltungsaufwendungen gefährden. Als Kernpunkte der neuen Richtlinie nannte er

• Die Verschmelzung und Änderung der 4. und 7. EU-Richtlinie (78/660/EWG & 83/349/EWG),
• die Erhöhung der Schwellenwerte der Unternehmensgrößenklassen,
• vereinfachte Rechnungslegungsvorschriften insbesondere für kleine Unternehmen,
• neue Ansatz- und Bewertungsvorgaben,
• die Implementierung neuer Grundsätze, die mitunter grundlegenden Rechtsprinzipien widersprechen, sowie
• das sog. Country-by-country-Reporting.

In einem Ausblick hob der Referent hervor, dass die EU-Kommission bereits die nächste Ausweitung der Berichtspflichten jenseits der neuen EU-Bilanzrichtlinie plant, so insbesondere den Bericht von Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern über Grundsätze, Risiken und Ergebnisse in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte, die Bekämpfung von Korruption und Bestechung sowie die Vielfalt in den Leitungs- und Kontrollorganen. Für Deutschland wies er aber relativierend darauf hin, dass diese Berichtspflichten wohl größtenteils durch die Angaben im Lagebericht gedeckt seien.

III. MicroBilG – Erleichterungen für Kleinstkapitalgesellschaften?

In seinem Vortrag ging der Referent Zwirner zunächst auf die die Zielsetzung des MicroBilG ein, die er mit der Entlastung sehr kleiner Kapitalgesellschaften von Rechnungslegungs- und Offenlegungsvorschriften durch Umsetzung der Möglichkeiten der EU-Micro-Richtlinie in deutsches Recht näher ausführte. Dies wurde mit der Schaffung einer neuen Unternehmenskategorie, den Kleinstkapitalgesellschaften (§ 267a HGB), angegangen. Für diese gibt es zahlreiche Aufstellungserleichterungen bei Bilanz, GuV und Anhangangaben sowie eine neue Publizitätsmöglichkeit: Hinterlegung statt Offenlegung. Die vom Referenten im Einzelnen begründete Beurteilung von Kosten und Nutzen der Erleichterungen lässt sich wie folgt zusammenfassen:

• Der Gesetzgeber führt im Gesetzentwurf zum MicroBilG geplante Kosten-einsparungen aufgrund des MicroBilG von 36 Mio. € an, denen ein geplanter, einmaliger Umstellungsaufwand i.H.v. 9 Mio. € gegenübersteht. Nach Einschätzung des Gesetzgebers sollen ca. 500.000 Unternehmen von den geplanten Erleichterungen des MicroBilG Gebrauch machen können: Pro Unternehmen und Jahr ergeben sich basierend auf den Einschätzungen des Gesetzgebers geplante Kostenersparnisse von rd. 70 €. Signifikante Kosteneinsparungen seien für die betreffenden Unternehmen aufgrund des MicroBilG daher nicht zu erwarten.
• Zudem sei der Nutzen der möglichen Erleichterungen aufgrund etlicher faktischer Grenzen der Inanspruchnahme fraglich. Als solche Grenzen nannte er:

• Gesellschafter werden weiterhin bestimmte Informationen fordern;
• bei Finanzierungen durch Banken bleibt abzuwarten, ob der Bank der verringerte Abschluss reicht;
• bei Einbindung der Gesellschaft in einen Konzern sind Vorgaben der Konzernrechnungslegung zu beachten;
• für Contzrollingzwecke werden in weiten Teilen mehr Informationen notwendig sein;
• für die Unternehmenssteuerung erforderliche Kenngrößen (z.B. EBIT) müssen weiterhin ermittelt werden;
• den Erleichterungen in der handelsrechtlichen Praxis stehen verschärfte Anforde-rungen durch die E-Bilanz gegenüber; dort wird gerade ein sehr viel detaillierteres "Buchen" verlangt.

Zwirner wies zudem darauf hin, dass die Verantwortung für die Zulässigkeit der Inanspruchnahme der Erleichterungen des MicroBilG die gesetzlichen Vertreter der Kleinstkapitalgesellschaft zu tragen haben.

IV. Schwellenwertbilanzierung aus Bankensicht

Schließlich beschrieb Rühl die Bankensicht auf die Inanspruchnahme von Vereinfachungen bei der Rechnungslegung. Er räumte ein, dass sich die Vereinfachungen für Kleinstkapitalgesellschaften als Vermögensverwalter, Holding oder ggf. Projektgesellschaften anbieten. Kritisch merkte er jedoch an, dass diese Vereinfachungen sowohl den Blick des Kunden auf sein Unternehmen als auch den Blick der Bank auf das Unternehmen trüben könnten und als Folge mit möglichen Ratingverzerrungen im Rahmen der Kreditvergabe zu rechnen sei. Die von ihm erwarteten Auswirkungen auf einzelne Kennzahlen sind der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen.

Kennzahlen Auswirkungen
Eigenmittelquote Bleibt erkennbar
kfr. Fremdkapitalquote Geht unter wegen Verkürzung
Nettoverschuldung/EBITDA Unschärfe durch Verkürzung der GuV
EBITDA-Marge Unschärfe durch Verkürzung der GuV
EBIT-Zinsdeckung Unschärfe durch Verkürzung der GuV
Umsatzzuwachs Umsatzerlöse nach wie vor erkennbar
Bilanzsumme Keine Änderung

*) Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer ist freiberuflicher Wirtschaftsjournalist und Inhaber des BuS-Netzwerks für Betriebswirtschaftliche und Steuerliche Fachinformationen (www.bus-hillmer.de).




BVBC Stiftung zur Förderung von Rechnungswesen und Controlling
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