– Symposium 2012 der BVBC-Stiftung vom 15.11.2012 in Düsseldorf –
Dr. Hans-Jürgen Hillmer*

Das im Mai 2009 verabschiedete Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) findet nun seit mehr als zwei Jahren Anwendung, erstmalig auf Geschäftsjahre, die im Kalenderjahr 2010 begannen. Dies gab der BVBC-Stiftung in Kooperation mit der FOM Hochschule für Ökonomie und Management Essen Veranlassung, eine Standortbestimmung durchzuführen: In welchen Bereichen hat die Bilanzierungspraxis welche Änderungen vorgenommen?


Zu diesem Zweck wurde unter der Überschrift „Erfahrungsaustausch BilMoG“ am 15.11.2012 ein Symposium in Düsseldorf veranstaltet, das insbesondere Erkenntnisse darüber vermitteln sollte, welche Erfahrungen die Unternehmen zwischenzeitlich gemacht haben und ob der HGB-Abschluss durch die Umsetzung des BilMoG zur konkurrenzfähigen Alternative des Konzernabschlusses nach IFRS geworden ist. Nach der Begrüßung durch RA Dr. K. Jan Schiffer und Udo Binias wurde folgendes Programm angeboten:

  • Erfahrungsbericht BilMoG – Verwirrungspotenziale und Lösungsansätze aus der Sicht von Abschlusserstellern und -adressaten (Prof. Dr. Stefan Müller, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg)
  • „BilMoG und Rating – Der Tod der stillen Reserve“ (StB Michael Ellgering, Steuerberatungsgesellschaft, Düsseldorf)
  • Rückstellungen nach BilMoG (WP/StB Klaus Tissen, Deloitte & Touch GmbH, Düsseldorf)


Erfahrungsbericht zur Anwendung des BilMoG

Über Verwirrungspotenziale und Lösungsansätze berichtete Prof. Dr. Stefan Müller aus der Sicht von Abschlusserstellern und -adressaten. Nach einem interessanten und äußerst informativen Vortrag zog er das folgende Fazit:

  • Durch das BilMoG werden die bilanzpolitischen Möglichkeiten von der expliziten Wahlrechtenutzung hin zu Einschätzungsspielräumen verschoben.
  • Die Auswirkungen des BilMoG sind zwar in Einzelfällen erheblich, im Durchschnitt jedoch gering.
  • Die Übergangsregelungen wurden sehr ungleichmäßig genutzt, so dass die ausgelaufenen Wahlrechte noch einige Jahre (verdeckt) wirken dürften.
  • Die Auflösung der umgekehrten Maßgeblichkeit wurde vielfach noch nicht verinnerlicht.
  • Anhangangaben sind (insbesondere zu latenten Steuern) sehr uneinheitlich und verbesserungsfähig.
  • Es ist für Abschlussersteller und -analysten noch einiges zu tun!


BilMoG und Rating
In seinem besonders eloquent gehaltenen Vortrag stellte StB Michael Ellgering die provokante These voran, dass es eigentliche keine richtigen Bilanzen gebe – weil jeder Bilanz letztendlich ein Ergebniswunsch zugrunde liege. Umso mehr komme es darauf an, die Richtigkeit und den tatsächlichen Inhalt der Bilanzpositionen zu prüfen und den Bilanzinformationen nicht blind zu vertrauen.

Während von Gesellschaftern geführte Unternehmen (Familienunternehmen) tendenziell konservativ denken und Ziele wie Liquiditätssicherung und Steuervermeidung vorrangig verfolgen, geht es seiner Erfahrung nach Fremdgeschäftsführern meist um die Erhaltung der eigenen Position durch Befriedigung der Gesellschafteransprüche über die Erzielung einer angemessenen Rendite des eingesetzten Kapitals.

Rückstellungen nach BilMoG
StB/WP Klaus Tissen stellte in seinem Vortrag die Pensionsrückstellungen den Hauptanwendungsfall für Auswirkungen von BilMoG-Änderungen dar. Er bezog sich dazu auf Art. 67 Abs. 1 EGHGB, wonach eine Zuführung zu den Rückstellungen ggf. bis zum 31.12.2024 anzusammeln ist. Da diese jährliche Zuführung jedoch in gleichen (1/15) oder in jeweils unterschiedlich hohen Raten erfolgen kann, bestehen hier weite Spielräume, wobei die Unterdeckung (als der noch nicht zugeführte Betrag) jeweils im Konzern-Anhang anzugeben ist. Im Erfahrungsbereich des von ihm vertretenen Unternehmens Deloitte hat sich herausgestellt, dass überwiegend die Wahlrechtsausübung in der Form einer ratierlichen Zuführung bei geringer Eigenkapitalquote erfolge.

Abschließend ging Tissen noch auf den Problemkreis der passiven latenten Steuern ein. Hier habe sich eine kontroverse Diskussion mit offenem Ausgang ergeben. Danach bestehen hinsichtlich der Behandlung von passiven latenten Steuern als Verbindlichkeitsrückstellungen recht unterschiedliche Ansichten. Eine kleine Auswahl zeigt folgendes Meinungsbild:

  • Der IDW-Ansatz ist sehr weit gefasst und lässt § 274a Nr. 5 HGB de facto ins Leere laufen, da praktisch alle Differenzen in den Wertansätzen ermittelt werden müssen.
  • Die ganz h.M. geht davon aus, dass passive latente Steuern grundsätzlich rückstellungsfähige Verbindlichkeiten i.S. des § 249 Abs. 1 Satz 1 HGB darstellen können und in diesen Fällen einer Passivierungspflicht unterliegen.
  • Der Umfang der passiven latenten Steuern bestimmt sich danach, ob man eine zahllastorientierte Betrachtungsweise (It. IDW: sog. steuerrechtliche Betrachtungsweise) zugrunde legt.
  • Nach § 285 Nr. 29 HGB ist im Anhang anzugeben, auf welchen Differenzen oder steuerlichen Verlustvorträgen die latenten Steuern beruhen und mit welchen Steuersätzen die Bewertung erfolgt ist.


Bemerkenswert ist Tissen zufolge insbesondere, dass das IDW und die WPK unterschiedliche Auffassungen vertreten – das macht es für die Praxis der Bilanzerstellung nicht leichter.


*) Dipl.-Kfm. Dr. Hans-Jürgen Hillmer ist freiberuflicher Wirtschaftsjournalist und Inhaber des BuS-Netzwerks für Betriebswirtschaftliche und Steuerliche Fachinformationen (www.bus-hillmer.de).  

Die einzelnen Vortragsskripte stehen zum kostenfreien Download hier zur Verfügung.

BVBC Stiftung zur Förderung von Rechnungswesen und Controlling
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