Innovativ geprägtes und strategisch orientiertes Controlling – mit diesen Kernthemen des BVBC-Symposiums steigen die Anforderungen an die Informationsbasis. Bilanzierungsexperte Küting ruft zur Kehrtwende auf: Solide HGB-Bilanzen statt unüberschaubarer IFRS-Informationsflut.

 

Berlin/Bonn, 24.5.2011 -- Mit überraschenden und erstmalig der deutschen Öffentlichkeit präsentierten Zahlen zur IFRS-Anwendung in der Bilanzierungspraxis wartete der Preisträger des am 19.5.2011 in Berlin verliehenen Controller-Ehrenpreises der BVBC-Stiftung, Prof. Dr. Karlheinz Küting, auf. Die IFRS-Anwendung steckt demnach entgegen der Flut von Fachveröffentlichungen noch in den Kinderschuhen. Und es mehren sich die Anzeichen, dass das vermeintliche Auslaufmodell HGB-Bilanzierung doch Bestand hat. Dies schlicht deswegen, weil die Unternehmenspraxis dem IFRS-Regelwerk offenbar die Gefolgschaft weit stärker verweigert, als selbst die wenigen HGB-Befürworter es vermutet hätten.

Anlässlich der Preisverleihung im Rahmen des diesjährigen Bundeskongresses des BVBC (Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V.) ging Küting nur am Rande auf den mit dem Ehrenpreis ausgezeichneten Beitrag „Notwendigkeit eines Cash- und Liquiditätsmanagements“ (mit den Co-Autoren Rösinger/Mojadadr veröffentlicht in DB 12/2010 S. 625 - 631) ein. Er präsentierte stattdessen die im Rahmen einer aufwändigen Studie topaktuell ermittelten Zahlen zur IFRS-Anwendung in Deutschland. In dieser von ihm geleiteten Studie wurden umfangreiche Daten des Bundesanzeigers mit folgenden Ergebnissen ausgewertet:

  • Konzernabschluss: In 2009 haben sich nur 5,2% der deutschen nicht kapitalmarktorientierten  Mutterunternehmen für das IFRS-Regelwerk, aber 94,8% für das deutsche HGB entschieden.
  • Einzelabschluss: Nach Angaben des Bundesanzeigers veröffentlichen 1,1 Mio. deutsche Unternehmen ihren Einzelabschluss im Bundesanzeiger. Auf der Basis intensiver Recherchen ließen sich im Rahmen des Forschungsprojekts nur 14 (!) veröffentlichte IFRS-Einzel-Abschlüsse identifizieren.

    Daraus folgt, dass das HGB nach wie vor das eindeutig dominierende Bilanzierungssystem in Deutschland ist. „Zu lange haben wir“, so Küting in seinem eindringlichen Schlussappell,  „tatenlos mit angesehen, wie mit einer kaum zu überbietenden Informationsflut und Änderungsdynamik die Bilanzierungspraxis in Deutschland verunsichert wurde.“ Führende BVBC-Vertreter wie der Präsident Klein und der Ehrenpräsident Binias schlossen sich der Einschätzung Kütings ausdrücklich an und sagten die Unterstützung des BVBC bei der Aufklärung über die Bedeutung der Bilanzierung nach HGB zu.

    Insbesondere für die weiteren im Symposium behandelten Themen wie z.B. die Verbindung von Unternehmensstrategie und Controlling (Prof. Dr. Klaus Deimel) ist eine zuverlässige Informationsgrundlage und damit die Frage „IFRS oder HGB“ von ausschlaggebender Bedeutung. Die  BVBC-Stiftung bereitet bereits eine Anschlussveranstaltung vor. Bilanzbuchhalter und Controller können ihre anspruchsvolle Funktion als „Steuermann des Unternehmens“ nur sachgerecht erfüllen, wenn sie die erforderlichen Informationen zieladäquat aufbereiten und der Geschäftsführung weiterleiten können.

    Die Entscheidung darüber, ob sich Informationsfriedhöfe mit vielen IFRS-Gräbern noch vermeiden lassen, oder die Solidität des HGB-Systems die Oberhand behält, werden die Vertreter des BVBC und der Stiftung nicht den Big Four der WP-Gesellschaften überlassen, sondern ihrerseits offensiv zu beeinflussen versuchen. Und das nicht zuletzt im Interesse der deutschen mittelständischen Unternehmen.

    BVBC Stiftung zur Förderung von Rechnungswesen und Controlling
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