Die BVBC-Stiftung hat als gemeinnützige und treuhänderische Stiftung u. a. den Zweck, die Wissenschaft und die Forschung auf den Gebieten Wirtschaft, Recht und Steuern und insbesondere im Bereich Rechnungswesen und Controlling zu fördern.

Erfreulicherweise konnte die Stiftung in Kooperation mit der FOM Fachhochschule für Oekonomie und Management Essen am 10. November 2009 in Frankfurt erstmals ein wissenschaftliches Symposium zum Thema

„Das BilMoG in der Anwendung“

anbieten.

Ich bedanke mich bei allen Dozenten, die mit ihren fundierten Fachvorträgen zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen haben.

Christel Fries
Treuhänderin
BVBC-Stiftung


Sechs Thesen zum BilMoG

Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) wird vielfach als die größte Reform des deutschen Bilanzrechts seit dem Bilanzrichtlinien-Gesetz (BiRiLiG) von 1985 angesehen. Der größte Teil der neuen Vorschriften finden erstmals auf die Geschäftsjahre Anwendung, die im Kalenderjahr 2010 beginnen.

Die BVBC-Stiftung zur Förderung von Rechnungswesen und Controlling - treuhänderische, gemeinnützige und mildtätige Stiftung, Bonn - hat im November 2009 in Kooperation mit der FOM - Fachhochschule für Oekonomie und Management in Frankfurt/Main - ihr 1. Wissenschaftliches Symposium veranstaltet. Zum BilMoG in der praktischen Anwendung hörten ca. 50 Teilnehmer drei Vorträge aus Wissenschaft und Praxis und diskutierten mit Rechtsanwalt Dr. K. Jan Schiffer, der das Symposium leitete, und den Referenten. Schiffer rief dazu auf, aus der Diskussion und zu den Vorträgen Thesen für die Praxis zu entwickeln. Diese werden hiermit zur fachlichen Diskussion gestellt:

Diskutieren Sie über dieses Thema mit den Experten Prof. Dr. Thomas Kümpel, WP/StB Karl Spieß und Uwe Jüttner in der BRZ-Community


I. (Übergangs-)Bewertung der Aktiva nach BilMoG (Referent: Prof. Dr. Thomas Kümpel, FOM, Essen)

Eines der Ziele des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) ist die Reduzierung des bilanzpolitischen Gestaltungsspielraums. Hiermit ist vor allem die Abschaffung von gesetzlichen Bewertungswahlrechten verbunde.

Thesen:

  1. Die Beibehaltungswahlrechte in der BilMoG-Eröffnungsbilanz (gemäß Art. 67 EGHGB) dürfen in der Regeln nur bezogen auf den gesamten Posten ausgeübt werden. Hierzu bestehen zwei Ausnahmen: Neben den Aufwandsrückstellungen (Art. 67 Abs. 3 EGHGB) dürfen niedrigere Wetrtansätze von Vermögensgegenständen aufgrund von Abschreibungen (gemäß dem Wortlaut des Art. 67 Abs. 4 EBHGB) jweils bezogen auf den einzelnen Sachverhalt ausgeübt werden. Dies ist nicht nachvollziehbar, da hierdurch die Möglichkeit zu einer ergebnisorientierten Bilanzpolitik eröffnet wird.
  2. Da Sachanlagen nur noch bei dauernder Wertminderung außerplanmäßig abgeschrieben werden dürfen, stellt sich die Frage, wann diese vorliegt. Die Anwendung der steuerlichen Vorschriften für die Teilwertabschreibung (wenn der Teilwert für mindestens die Hälfte der Restnutzungsdauer unter dem jeweiligen Buchwert liegt) erscheint aus dem Vorsichtsgedanken besonders bei langlebigen Gütern, wie z.B. bei Gebäuden, nicht sinnvoll. Aus Vorsichtsgründen sollte in Zweifelsfällen stets von einer dauernden Wertminderung ausgegangen werden.


II. Auswirkungen des BilMoG auf den handelsrechtlichen Konzernabschluss(Referent: StB/WP Karl Spies, Mainz)

Es sollte durch die Gesetzesnovellierung eine Heranführung an internationale Rechnungslegungsstandards erfolgen, der HGB-Abschluss soll eine konkurrenzfähige Alternative zum IFRS-Abschluss sein. Ob dieses Ziel erreicht wurde, ist kritisch zu hinterfragen.

These:

  1. Mit der Einführung des BilMoG für den handelsrechtlichen Konzernabschluss soll eine Annäherung an die International Financial Reporting Standards (IFRS) erfolgen. Dieser Schritt ist halbherzig und führt nicht zur internationalen Vergleichbarkeit von Abschlüssen, wobei zusätzlich unnötige Kosten generiert werden. Sinnvoll wäre, auf Konzernabschlüsse die internationalen Rechnungslegungsvorschriften zur Gänze anzuwenden und auf die Anwendung der HGB-Vorschriften zu verzichten.


III. Entwicklungs- und Implementierungskosten nach dem BilMOG(Referent: Uwe Jüttner, Bilanzbuchhalter und Dozent, Malsch)

Durch das neue BilMoG wurde z.B. ein Aktivierungswahlrecht für selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens (z.B. Patente, Software, Know-how, Entwicklungskosten) nach § 255 Abs. 2a i.V.m. § 248 Abs. 2 HGB neu geschaffen.

Thesen:

  1. Die handels- und steuerrechtliche Bilanzierung nach Einführung des BilMoG wird immer weiter auseinanderlaufen. Das ist zwar vorläufig durch die zuletzt im Gesetz eingebauten Wahlrechte noch nicht so gravierend, aber es wird ja schon wieder an einer BilMoG-Änderung gearbeitet.
  2. Die Wahlrechte werden nach und nach fallen und das HBG wird weiter an die IFRS angeglichen. Das führt dazu, dass die Unternehmen, über kurz oder lang nicht nur nach HGB, sondern differenziert nach Steuerrecht bilanzieren müssen. Ein eigener Bewertungsbereich Steuerbilanz wird entstehen, der eine parallele Rechnungslegung erfordert. Damit steigen der Aufwand und die Kosten für die Bilanzerstellung erheblich. Das Ziel, durch das BilMoG Kosten einzusparen, wäre damit verfehlt.
  3. Zur einheitlichen Handhabung der neuen Wahlrechte beispielsweise in einem Konzern bedarf es einer internen Richtlinie in dem betreffenden Konzern. Darin muss geregelt werden, wie das Wahlrecht auszulegen ist und wie die Vorgaben des Gesetzes interpretiert werden sollen. Insbesondere die Abgrenzung von Forschungs- und Entwicklungskosten muss klar geregelt werden.


Nachfolgend stellen wir Ihnen die Skripte der Dozenten kostenfrei zum download zur Verfügung:

I. (Übergangs-)Bewertung der Aktiva nach BilMoG

II. Auswirkungen des BilMoG auf den handelsrechtlichen Konzernabschluss

III. Entwicklungs- und Implementierungskosten nach dem BilMoG
BVBC Stiftung zur Förderung von Rechnungswesen und Controlling
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